Pietät

Leichentourismus

Bei durchschnittlich 100 Kremierungen pro Jahr von verstorbenen Anwohnern aus dem Stadtgebiet Xantens ist es offensichtlich, dass eine Massenverbrennungsanlage mit einer jährlichen Kapazität von 1600 bis 3000 Verbrennungen pro Ofen (und einer möglichen Endausbaustufe auf vier Verbrennungsöfen) ganz sicher nicht nur für die lokalen Bedürfnisse ausgelegt ist. Ganz zu schweigen davon, dass bald auch in Rees ein Großkrematorium stehen wird. In Anbetracht dieser Tatsachen ist der Begriff „Leichentourismus“ naheliegend, da der Krematoriumsbetreiber zur Auslastung seiner Verbrennungsöfen und zur Amortisation seiner Investitionen gezwungen sein wird, Leichen großräumig zu akquirieren und nach Xanten transportieren zu lassen.

Geschichtlicher Hintergrund der Stadt Xanten „ad sanctos“

Kurzfristige wirtschaftliche Interessen dürfen keinen Vorrang vor dem Bürgerwillen und dem Wohlergehen unseres zurzeit noch lebenswerten Xanten haben. Die massenhafte Verbrennung menschlicher Leichen ist pietätlos und auf dem Gebiet einer Stadt »ad sanctos« (»bei den Heiligen«) erst recht vollkommen fehl am Platz.

Man braucht nicht religiös zu sein, um zu spüren und zu erkennen, dass eine auf wirtschaftlichen Profit ausgerichtete Akkordeinäscherung den Toten keinerlei Respekt zollt. Jeder Mensch verdient Respekt - während seines Lebens, aber auch in und nach seinem Tod.

Kein Abschiedsraum

Im Gegensatz zu der geplanten Anlage in Rees wurde in Xanten im Vorfeld nicht mit den Bürgern gesprochen. In Rees ist auch eine Anlage geplant, die einen Abschiedsraum und damit einen kulturellen und pietätvollen Umgang mit dem Tod erlaubt. Aufgrund dieser Tatsache ist der Begriff „Krematorium“ schlichtweg ein Euphemismus. Richtiger wäre: „Massenverbrennungsanlage“ oder „Industriekrematorium“.

Statement und Apell

Die Xantenerinnen und Xantener erwarten vom Bürgermeister Görtz und den Ratsmitgliedern Pietät!
Das bedeutet: Respekt, Empathie und Mitgefühl. Im Umgang mit einem Thema, bei dem es wortwörtlich um Leben und Tod geht und das wahrscheinlich jeden Menschen innerlich tief berührt, dürfen die politischen Verantwortungsträger nicht einfach über die Köpfe der Einwohner Xantens und der Nachbargemeinden hinweg entscheiden. Bei der geplanten Einäscherungsanlage vor den Toren unseres Luftkurorts geht es nicht um die Ansiedlung eines ganz normalen Industriebetriebs aus dem Entsorgungswesen, der einen politischen Schnellentscheid nach dem Standardverfahren rechtfertigen würde - es geht um die gewinnorientierte, hocheffiziente Entsorgung menschlicher Körper im Dauerbetrieb. Fragen zur Pietät gehören hier ganz oben auf die Liste.

Pietätlos war das Vorgehen des Bürgermeisters und der zustimmenden Mitglieder des Hauptaus¬schusses in jeder Phase des Xantener Industrieprojekts »Leichenverbrennungsanlage«: Es wurde bewusst und gezielt auf eine frühzeitige Information und Ansprache der Bürgerinnen und Bürger Xantens verzichtet, um die Baugenehmigung für den Investor nicht zu gefährden. Noch nicht einmal die unterschiedlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften wurden bei der Entscheidungsfindung der »Domstadt« mit einbezogen. Soviel Angst hatte man wohl im Rathaus vor Stimmen, die Pietät hätten einfordern können.

Bürgermeister und Stadtrat zeigen kein Mitgefühl und kein Verständnis, man setzt sich über den Willen der Bevölkerung Xantens hinweg. Neben der bedauerlichen Spaltung von Bürgern und Politik wird jetzt auch noch versucht, einen Keil zwischen die Xantener zu treiben, indem das Großkrematorium im Industriegebiet zum Problem der Birtener stilisiert wird. Auch dieses Für-dumm-Verkaufen ist eine Respektlosigkeit. Glaubt der Bürgermeister ernsthaft, die Einwohner und Gewerbetreibenden Xantens seien zu blöd sich auszurechnen, was ein solcher Image-GAU für Xanten bedeutet? Der »Luftkurort Xanten« wäre mit einem Schlag erledigt.

Wenn Betroffenheit spürbar wird, ist es Zeit, den Bürgerwillen zu respektieren!