Technik und Bypass

Gemäß den Bauunterlagen handelt es sich um eine Anlage mit (in der ersten Ausbaustufe) zwei Öfen für jeweils 1600 bis 3000 Verbrennungen pro Jahr. Die Expansionsstrategie sieht außerdem den Bau einer zweiten gespiegelten Anlage vor. Dies würde dann eine Kapazität von vier Öfen bedeuten. Die Planung sieht ein Großkrematorium mit einer Bypass-Funktion vor. Technisch bedeutet das, dass die Anlage bei Störfällen in den sogenannten Bypass-Betrieb geschaltet wird. Es ist nach EU-Recht nicht zulässig, einen bereits gestarteten Verbrennungsvorgang zu unterbrechen. Somit wird im Störfall das Verbrennungsabgas direkt an den Filtersystemen vorbei in die Umwelt entlassen.

Zu Störfällen kann es z.B. durch folgende Ereignisse kommen:

  • Zu hohe Verbrennungstemperaturen,
    welche die Filter zerstören. Diese werden zum Beispiel dann erreicht, wenn ein hoher Fettgehalt im Verbrennungsraum kremiert werden soll. Auslöser dafür sind sogenannte adipöse Leichen. In Anbetracht des großen gesellschaftlichen Problems der zunehmenden Fettleibigkeit in Deutschland muss also mit einer steigenden Häufigkeit solcher Fälle gerechnet werden.
  • Vibrationen
    Im Falle dieses Standorts befindet sich das geplante Krematorium direkt neben einer Bahnlinie, einer Bundesstraße und einem Salzbergbaugebiet mit täglich zwei, in weitem Umfeld deutlich spürbaren Sprengungssequenzen. Des Weiteren ist auf dem Nachbargrundstück eine Stein-Brecher-Anlage in Betrieb.

Die geplante Verbrennungsanlage entspricht einem Serienprodukt, welches baugleich an folgenden Standorten bereits in Betrieb ist:
Stade 1999, Diemelstadt 2002, Perleberg 2003, Minden 2004, Siegen 2004, Henningsdorf 2005, Hildesheim 2006, Hohenburg 2008, Ronneburg 2010.

Filtersystem: Gewebefilter
Schornstein: mindestens 10m über dem Grund
(also deutlich anders als vom Investor in der Rheinischen Post vom 25. November 2016 äußerst beschönigend abgebildet)